System der deutschen Konsonanten nach relevanten Merkmalen




Wendet man sich den phonologischen Merkmalen der deutschen Konsonanten zu, so sieht man, dass jedes von ihnen recht viele Gruppen bilden kann. So gliedern sich die deutschen Konsonanten nach dem Merkmal S o n o r i t ä t in drei Gruppen:

Ø sonore Konsonanten, die nuraus demTon bestehen ([m], [n], [l], [r], [ŋ] );

Ø stimmhafte, die neben dem Ton auch Geräusch enthalten ([b], [d], [g], [v], [z], [ჳ], [j]. Manche Phonologen rechnen dazu auch den [h]-Laut, weil er nur vor und zwischen den Vokalen gesprochen wird und deshalb fast immer den Stimmton enthält;

Ø stimmlose,die nuraus demGeräusch bestehen ([p], [t], [k], [f], [s], [∫], [ç], [x]).

DieA r t i k u l a t i o n s a r t bietet der Sprache folgende Möglichkeiten: Zwei Sprechorgane, die Artikulationsstelle und der Artikulator, bilden einen Verschluss, der

Ø gesprengt wird, wobei Verschlusssprenglaute (Explosive) entstehen ([b], [p], [d], [t], [g], [k]),

Ø in eine Enge übergeht, wodurch man Gleitlaute, Verschlussengelaute oder Affrikaten bekommt ([], [], []) oder

Ø bestehen bleibt, der Luftstrom entweicht aber auf einem anderen Weg, durch eine Öffnung (Verschlussöffnungslaute: Nasale [m], [n], [ŋ] und Liquida [r] und [l]).

Nähern sich zwei Sprechorgane einander, so bilden sie eine Enge, durch die der Luftstrom mit Geräusch strömt. So entstehen Engelaute (auch Reibelaute, Engereibelaute oder Frikative genannt): [f], [v], [s], [z], [∫], [ჳ], [ç], [j], [x], [h] – die größte Konsonantengruppe im Deutschen.

Beim Vibrieren des Zäpfchens oder der Vorderzunge entstehen Zitterlaute (oder Vibranten). Im Deutschen sind das nur zwei Laute: [R] und [r].

Die A r t i k u l a t i o n s s t e l l e,d.h. der unbewegliche Teil des Sprechapparats, beteiligt sich sehr aktiv an der Bildung der Konsonanten. Als Artikulationsstelle dienen verscheidene Teile des Sprechapparats, darunter:

Ø die Oberlippe: Dort werden die Lippenlaute [p], [b], [m] gebildet;

Ø die Oberzähne: Dort entstehen die Zahnlaute [f] und [v];

Ø der Zahndamm (die Alveolen), wo alveolare Konsonanten produziert werden: [t], [d], [n], [l], [s], [z], [r];

Ø die hintere Seite des Zahndamms, wo postalveolare Laute [∫] und [ჳ] gebildet werden;

Ø der harte Gaumen, der die Artikulationsstelle für die präpalatalen Konsonanten [ç] und [j] bildet;

Ø der weiche Gaumen, wo die velaren Laute [k], [g], [ŋ] und [x] artikuliert werden;

Ø das Zäpfchen: Bei seinem Vibrieren entsteht der Zäpfchenlaut [R];

Ø der Kehlkopf, wo der laryngal-pharyngale Hauchlaut artikuliert wird.

Was den A r t i k u l a t o r angeht, d.h. das bewegliche Sprechorgan, so hat-der Sprechapparat dafür nicht viele Möglichkeiten. Das sind:

Ø die Unterlippe, die zusammen mit der Oberlippe oder den Zähnen Lippen- und Zahnlippenlaute bildet: [p], [b], [m], [f], [v];

Ø die Vorderzunge (corona), die zusammen mit den Alveolen eine lange Reihe von Konsonanten produziert: [t], [d], [n], [l], [s], [z], [∫], [ჳ], [r];

Ø die Mittelzunge, die an der Artikulation der Laute [ç] und [j] teilnimmt;

Ø die Hinterzunge, die im hinteren Mundraum, am weichen Gaumen, die velaren Laute [k], [g], [ŋ] und [x] bildet;

Ø das Zäpfchen, das durch sein Vibrieren den [R]-Laut hervorbringt;

Ø die Stimmlippen (Glottis), die durch ihre Annäherung und Spannung den Hauchlaut entstehen lassen.

Wenn man versucht, alle Merkmale der Konsonanten miteinander zu verbinden, so bekommt man folgendes tabellarisches System der deutschen Konsonanten (s. Tab. 3.1).

 

T a b e l l e 3.1. Tabellarische Zusammenfassung der deutschen Konsonanten

 

    Artikula-tionsart Artikulationsstelle
la-bial den-tal dental-alveo-lar late-ral prä- pala-tal prä- pala-tal post-palatal (velar) velar uvular lary-ngal-pha-ryn-gal
Artikulierendes Organ
la-bial labi-al koro-nal koro-nal koro-nal medio- dorsal post-dorsal post-dorsal post-dorsal  
Explo-sive stimmlos p   t       k      
stimm- haft b   d       g      
Frika-tive stimmlos   f s   ç   x    
stimm- haft   v z   j       h
Nasale m   n       ŋ      
Liquida (fließende)     r l         R  
                                 

 

Dabei müssen einige Merkmale (z.B., die Artikulationsstelle und das artikulierende Organ) zusammengelegt werden, denn die Tabelle ermöglicht es nicht, vier Merkmale einzeln zu präsentieren. Die Tabelle zeigt jedoch, welche Konsonantenklassen es im Deutschen gibt und wie dicht alle Klassen besetzt sind. In der Tabelle gibt es auch leere Kästen. Sie zeigen, dass es noch recht viele Möglichkeiten gibt, neue deutsche Konsonanten zu bilden.

Die Konsonanten können nach ihren relevanten Merkmalen auch anders systematisiert werden: Man kann die Konsonantenklassen auflisten und in der Tabelle für jeden Konsonanten vier Merkmale markieren, die das entsprechende Phonem besitzt. So bekommt jedes Konsonantenphonem in der Tabelle vier Plus-Zeichen (außer [n] und [l], die je fünf Merkmale brauchen, um voll beschrieben zu werden). Das gibt jedem Konsonanten sein genaues „Porträt“, d.h., nennt alle seine wesentlichen Eigenschaften, die wir bei der Beschreibung des Phonems erwähnen müssen (s. Tabelle 3.2).



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