Sprachzeichen und Sprechlaute




Was ist aber die Sprache, die als Code, als ein Hilfsmittel bei der Verständigung fungiert? Darunter versteht man gewöhnlich ein System von besonderen Zeichen, die zur Weitergabe von Informationen dienen. Man nennt sie Sprachzeichen. Damit werden vereinfacht „relativ selbständige Einheiten der sprachlichen Nachricht“ (G. Meinhold, S.13) gemeint, die bilateral sind: Sie besitzen einen Inhalt – ideelle Zeichenbedeutung – und eine Form – den materiellen Zeichenkörper. Das sind vor allem Wörter, d.h. bestimmte Lautfolgen, die sich auf entsprechende Begriffe beziehen. So bezeichnen, z.B., die Wörter Haus, дом,хата (Form, Zeichenkörper, Zeichengestalt) einen Bau zum Wohnen von Menschen (Zeicheninhalt, Zeichenbedeutung). Ein Bau zum Wohnen von Tieren wird Stall, хлеý, сарай oder auch anders genannt. Dabei wird deutlich, dass sich auf einen Inhalt mehrere Formen beziehen können. Die Gesamtheit der Wörter einer Sprache bildet ihr Lexikon.

Zeichengestalt und Zeichenbedeutung sind im menschlichen Hirn fest verknüpft, wenn man eine Sprache beherrscht. Ist das nicht der Fall, bekommt man Schwierigkeiten beim Verstehen einzelner Wörter. So geht es uns, z.B., manchmal in der Mutter-, noch häufiger aber in der Fremdsprache, wenn wir auf ein unbekanntes Wort stoßen: Wir können der wahrgenommenen Form keine Bedeutung zuordnen, wir können mit der Form allein nichts anfangen.

Neben den elementaren Sprachzeichen (Wörtern) gehören zur Sprache Regeln zum Verknüpfen von Wörtern, die man als Grammatik bezeichnet. Die Grammatik – Morphologie und Syntax – ermöglicht es uns, nicht nur einzelne Elemente der Welt zu benennen, sondern auch ihre Beziehungen miteinander darzustellen. Durch die Verbindung von Wörtern können die Menschen ihre Gedanken formulieren.

Um die Gedanken weiterzugeben, braucht man die dritte Sprachebene – die Lautebene, die ideelle Gedanken materialisiert, d.h. in diskrete Schalleinheiten, physikalische Wellen umwandelt. Das macht die Phonetik. Wir artikulieren die Laute, verbinden sie miteinander und schicken sie als Schallwellen an unsere Sprechpartner, damit sie unsere Gedanken empfangen. So erscheint die Sprache letztendlich als Gesamtheit von mehreren Teilsystemen, die miteinander fest verknüpft sind und durch ihr Zusammenwirken die menschliche Kommunikation ermöglichen. Folgt man dieser Vorstellung weiter, so sieht man die Sprache als ein kompliziertes System von abstrakten, ideellen Elementen, das theoretisch in einzelnen Schichten, getrennt voneinander beschrieben werden kann. Praktisch jedoch wird es nur durch die Tätigkeit des Menschen – das Sprechen – realisiert. Sie dient dem Menschen als das wichtigste Verständigungsmittel.

Alle Zeichenkörper natürlicher Sprachen (Wörter) weisen dasselbe Bauprinzip auf: Sie bestehen meist aus mehreren, zeitlich eng begrenzten Schalleinheiten, die man Laute nennt: [k], [v], [e:], [s] usw. Unterschiedliche Folgen von Lauten bilden zahlreiche Lautkomplexe, die wir als Wörter kennen, wenn wir sie mit bestimmten Inhalten assoziieren: [d+a+x], [d+a+s], [w+a+s], [n+a+s]. An diesen Beispielen sieht man deutlich, dass die Laute an sich keine Sprachzeichen sind, denn sie haben keinen Inhalt, keine Bedeutung. Sie dienen nur als Bausteine für die Sprachzeichen und ermöglichen deren physikalische Existenz. Beim Sprechen ordnen wir unsere ideellen Denkinhalte adäquaten Lautfolgen zu und senden sie als Schallcode dem Hörer zu. Der Hörer nimmt diese Schallfolgen wahr und verarbeitet sie in mehreren Schritten, bis er daraus die ihm zugesandte Botschaft gewinnt. So funktioniert die engste, untrennbare Verknüpfung von Sprache und Sprechen, obwohl man sie theoretisch laut F.de Saussure trennen und als System und Prozess, als abstrakt und konkret, als gemeinschaftlich und individuell, als relativ konstant und variabel gegenüberstellen kann.

Obwohl die Sprechlaute keine Sprachzeichen sind, spielen sie in der Sprache eine große Rolle: Einerseits sind sie Bauelemente für die Sprachzeichen, andererseits unterscheiden sie die Sprachzeichen voneinander. So, z.B., unterscheiden sich die Wörter das, was, Fass, nass, lass je durch einen Laut – die kleinste diskrete Schalleinheit einer Zeichengestalt. „Jene Einheit, die sich vom Standpunkt der betreffenden Sprache her in noch kleinere aufeinander folgende phonologische Einheiten nicht zerlegen lässt“, hat N.S. Trubetzkoy P h o n e m genannt (N. Trubetzkoy, S.34).

Die Phoneme einer Sprache werden durch Vergleich von Minimalpaaren ermittelt. Minimalpaare sind Kurzwörter, die sich nur durch ein Element unterscheiden: [ d as] - [ w as]; [ f as] - [ n as]; [ d i:s] - [ l i:s]; [l a: s] - [l a s]; [l a st] - [l ɪ st]; [ l ɪst] - [ b ɪst] usw. Durch einen konsequenten Vergleich aller möglichen Minimalpaare einer Sprache kann man das gesamte Phoneminventar dieser Sprache feststellen. Es ist begrenzt, d.h., jede Sprache hat nur eine bestimmte, meist relativkleine Anzahl von Phonemen.

 



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